„Tuesday for farming“

KAISERSLAUTERN. Die Landwirte in der Region machen mobil gegen das Agrarpaket der Bundesregierung und insbesondere die Düngeverordnung. Am Dienstagmorgen protestierten Bauern in Kaiserslautern – und das soll nicht ihre letzte Demo sein, wie sie ankündigten.90 Landwirte aus der Pfalz, dem Saarland und Rheinhessen fuhren mit ihren Schleppern am Vormittag durch die ganze Stadt. Laut Andreas Jung, Bauer aus Heiligenmoschel (Kreis Kaiserslautern) und Mitinitiator der Aktion, soll es künftig jeden Dienstag in der Region eine Protestaktion nach dem Motto „tuesdays for farming“ geben – analog zu „fridays for future“, den Demos für Klimaschutz. dür
QuelleAusgabeDie Rheinpfalz Ludwigshafener Rundschau – Nr. 257DatumMittwoch, den 6. November 2019

Wahn-/ Unsinn der Düngeverordnung

Es gärt auf den Höfen. Die Unzufriedenheit unter der Masse der Bauern über die Agrarpolitik wächst. „Jetzt muss gehandelt werden“, ist eine verbreitete Stimmung unter ihnen. Tausende von der Agrarpolitik der Bundes-regierung betroffene Klein- und Mittelbauern ziehen heute mit zahlreichen Treckern auf den Münsterplatz in Bonn. Zielscheibe des Protestes ist die Bundesregierung.

Zorn über die Düngeverordnung

Zurecht entlädt sich der Zorn über die Düngeverordnung. Sie wurde 2017 eingeführt und jetzt erneut überarbeitet. Bei den Bauern und allen Sachkundigen ruft sie nur Kopfschütteln hervor. Angeblich soll sie zu hohe Nitratwerte absenken, die in vielen Regionen, ins-besondere­dort,­ wo­ intensive­Tierhaltung­stattfindet,­auftreten. Gleichzeitig sollen auch die Ammoniakemissionen reduziert werden.Das ist unbedingt notwendig. Aber man könnte es ganz anders machen. Die hauptsächliche Ursache für die Nitratbelastung stammt nicht von kleinen und mittleren Betrieben, sie stammt aus der industriellen Massentierhaltung,­vor­ allem­ mit­ Schweinen­und­ Geflügel.­Diese­wurde erst möglich durch die Abschaffung der Flächenbindung mit einer Begrenzung auf zwei Großvieheinheiten je Hektar und Betrieb durch die EU-Kom-mission.Dadurch konnten Großinvestoren und Lebens-mittelkonzerne direkt in die Massenproduktion einsteigen, ohne überhaupt Fläche zu haben. Die Entwicklung in der Milchviehhaltung geht in die gleiche Richtung, steht aber noch am Anfang. International werden bereits von Molkereien Ställe mit 3000 Kühen und mehr errichtet. Viele Betriebe würden es gerne anders machen. Schweinehalter probieren zum Beispiel neue Ställe mit Stroheinstreu aus. Die Haltung von Schweinen auf Stroh lässt sich heute rationell durchführen. Sie würde sowohl dem Tierwohl dienen, die Trennung von Kot und Harn würde aber auch die Ammoniakemissionen senken, die Trocken vergasung von Stroh und Kot würde wertvollen Kompost erzeugen. Dieser könnte sehr viel Torf in Garten- und Blumenerde ersetzen. Im Moment wird dafür noch massiv Torf abgebaut. Das wiederum erhöht immense CO2-Ausgasungen, zerstört wertvolle Biotope und schädigt die Artenvielfalt.

Dienstleisterin der Agrarkonzerne

Mit ihrer Politik agiert die Bundesregierung dagegen im Interesse ­der­ landwirtschaftlichen­ Hauptprofiteure­ im Lebensmittelhandel und der Nahrungsmittelindustrie. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) setzt gegenüber den Agrarkonzernen und Lebensmittel-Handelsmonopolen auf „Freiwilligkeit“, statt klare gesetzliche Vorgaben zu machen, wie die Kennzeichnung von Lebensmittel usw., und Verstöße dagegen zu bestrafen.Gegenüber den Klein- und Mittelbauern ist es mit der „Freiwilligkeit“ nicht weit her. Vor allem den kleinen und mittleren Betrieben werden neue Lasten aufgebürdet. Und das bei Erzeugerpreisen, die bisher schon nicht kostendeckend sind. Güllebehälter in Ackerbauregionen sollen gefördert werden und die Landwirte noch längere Sperr zeiten (Verbot der Gülleausbringung) als bisher einhalten. Dafür müssten sie aber ihre Gülle behälter erneut vergrö-ßern mit entsprechenden Kosten. Die Förderung der Weidehaltung würde das entschärfen und gleichzeitig den Insekten helfen.Das aus Südamerika eingeführte Soja-Kraftfutter mit hoher Eiweißqualität könnte zum Teil durch Anbau von Leguminosen (Lupinen, Klee, Hülsen früchte) auf unse-ren Äckern ersetzt werden. Man kann auch sogenannte Nitrifikations­hemmstoffe­(verhindern­die­ Nitratbildung­im Boden) in Gebieten mit hohen Nitratwerten einset-zen. Das wird aber durch die Verordnung eher behindert. Die nitratproduzierende Düngerindustrie hat offen-bar an der Düngeverordnung mitgeschrieben!Die Größten werden gefördert und die Kleinen ruiniert. Und das alles unter dem Vorwand des Umweltschutzes. Damit wird auch die Masse der Bevölkerung ge-täuscht und den Bauern wird pauschal der „Schwarze Peter“ zugeschoben. Damit muss Schluss sein!

Agrarplattform im Internationalistischen Bündnis stärken!

Gesunde und preiswerte Nahrungsmittel für die Bevöl-kerung, Erzeugerpreise, die die Produktions- und Investitionskosten decken, nachhaltige Landschaftspflege­- dafür­ steht­ die­ Agrarplattform ­im­ Internationalstischen Bündnis. Sie wurde vor einem Jahr von einigen Milchbauern aus Branden burg, der Eifel und vom Niederrhein aus der Taufe gehoben und versteht sich als kämpferische Richtung unter den Klein- und Mittelbauern.Ihr Grundgedanke: Nur im Zusammenschluss aller kleinen und mittleren Bauern bzw. Nahrungsmittelerzeuger- sowohl in der Viehhaltung, im Acker-, Gemü-se- und Weinanbau bis hin zu den Imkern- mit der Arbeiter-, Jugend-, Frauen- und Umweltbewegung kann eine starke Gegenkraft gegen die zerstörerische Agrarpolitik von EU und Regierung entstehen.Gemeinsam mit dem Internationalistischen Bündnis kämpft die Agrarplattform gegen die Rechtsentwick-lung der Regierung und bürgerlichen Parteien. Sie tritt auch für den internationalen Zusammenschluss ein, zum Beispiel auf Weltbauernkonferenzen. Heute geht es vor allem darum, weitere Unterstützer zu gewinnen und die Argumente und Forderungen der Agrarplatt-form breit bekanntzumachen.

Dringend nötig sind unter anderem folgende Sofortmaßnahmen:

•­Einführung von Tier Obergrenzen pro Betrieb und Fläche! Förderung von kleinen und mittleren Betrie-ben bei Neu- und Umbau bestehender Ställe!

•­Höhere Erzeugerpreise auf Kosten der Handels-und Nahrungsmittelkonzerne. Erzeugerpreise unter den Produktionskosten müssen unterbunden werden!

•­Förderung der Weidehaltung bei Rindern über Min-destpreise (mindestens 50 Cent je Liter Milch)

•­Förderung des Anbaues von Hülsenfrüchten, wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen usw.! Verbot von Soja importen aus Regionen, wofür der Regenwald gerodet­und/oder­Glyphosat­flächendeckend­einge-setzt wird!

•­ Verpflichtende­Kennzeichnung­aller­ Lebensmittel,­der Herkunft, der Inhaltstoffe und der Produktionsbe-dingungen!

•­Förderung umweltschonender Anbaumethoden und artgerechter Tierhaltung! Stärkt die Agrarplattform im Internationalistischen Bündnis!

Agrarplattform gegründet

Flugblatt zum Aufbau der Agrarplattform im InterBündnis

Pressemeldung vom 6.1.19

Am 13. Dezember 2018 wurde in Sonsbeck am Niederrhein die Agrarplattform im Internationalistischen Bündnis gegründet. Diese setzt sich die Aufgabe, Klein und Mittelbauern sowie handwerkliche Betreiber der Nahrungsmittelverarbeitung gegen die Ruinierung einer naturnahen Landwirtschaft durch Regierung, EU und Agrarkonzerne zusammenzuschließen. Auf kämpferischer Grundlage sollen gemeinsame Forderungen und Ziele im Bündnis mit der Masse der Verbraucher durchgesetzt werden.

Nach einer intensiven Vorbereitung über mehrere Monate mit intensiven Gesprächen unter 40 – 50 Klein- und Mittelbauern, legten die Initiatoren einen Plattform-Entwurf vor. Dieser fand allgemeine Zustimmung und wurde auf der Gründungsveranstaltung mit vielen Anträgen und Hinweisen verbessert und einstimmig verabschiedet. Als Logo wurde die grafische Darstellung eines Treckers beschlossen. Er symbolisiert das charakteristische Arbeitsmittel aller landwirtschaftlichen Betriebe, der Viehzüchter, der Acker-, Gemüsebauern, Winzer u.a. Die Versammlung wählte eine dreiköpfige Koordinierungsgruppe und als deren Sprecher und Kontaktadresse den Diplom-Agraringenieur Gerd Zitzner aus Essen.

Erste Aktivitäten dienen vorrangig der Gewinnung von Unterstützern der Agrarplattform vor allem bei öffentlichen Auftreten auf Bauernprotesten und im Rahmen von Wahlkampfkundgebungen (z.B. Europawahl im Mai). Für diese Aufbauarbeit wird die Koordinierungsgruppe einen Aktionsplan erarbeiten.

Die Diskussionsgrundlage für eine Agrarplattform steht

Die politisch-inhaltliche und auch ein guter Teil der praktischen Arbeit im InterBündnis wird in den Plattform organisiert – zum Beispiel in der Umweltplattform oder der Frauenplattform. Jetzt organisieren sich auch die Landwirte: Ein Beratungsentwurf für ein Flugblatt und Standpunktpapier wird hiermit veröffentlicht.

Schon im September will sich die Agrarplattform im Internationalistischen Bündnis gründen. Rückmeldungen zu dem Beratungsentwurf sollen jetzt weiter gesammelt werden.

Die Gründung der Agrarplattform soll bei einem Treffen der Initiatoren und Unterstützer der Agrarplattform am Freitag, den 14. September 2018 um 20 Uhr in Uedem / Niederrhein erfolgen. Der genaue Ort wird noch bekannt gegeben.

Hier kann man den Entwurf des Flugblatts der Agrarplattform lesen!

Du willst mitmachen? Schicke eine E-Mail an den Kontakt zur Vorbereitung und Mitarbeit in der Agrarplattform: wodiro@web.de