Störung des Betriebsfriedens?

Vor zwei Wochen wurde der Kollegin Katrin Papke mitgeteilt, dass ihr Zeitvertrag nicht über den 17.12. hinaus verlängert werden soll. Sie würde „nicht ins Team passen“, weil sie nicht an „freiwilligen“ (!) Samstagsschichten teilnahm und die Arbeitshetze und katastrophale Arbeitssicherheit kritisiert hatte. Am Mittwoch verteilte Katrin zusammen mit Opel-Kollegen ihre persönliche Erklärung (siehe Rückseite) und sammelte Unterschriften gegen diese Unterdrückung. Sofort erteilte ihr Neovia Hausverbot wegen angeblicher „Störung des Betriebsfriedens“. Zwei Leiharbeiter, die Katrin solidarisch unterstützen, wurden unter konstruierten Vorwänden abgemeldet, weil sie trotz Erpressung durch Vorgesetzte ihre Solidaritätsunterschrift nicht zurückzogen! So wird versucht, kämpferische Gewerkschafter mit aller Gewalt aus dem Betrieb zu „säubern“ und damit die Belegschaft zum Schweigen zu bringen!

Dieses gewerkschaftsfeindliche Verhalten und politische Mobbing gehen unmittelbar von PSA/Opel aus und zeigen nur ihre Schwäche und Angst vor unserem Widerstand! Der Vorwurf „Störung des Betriebsfriedens“ stellt die Wirklichkeit doch völlig auf den Kopf! Wenn es bei Opel je so was wie einen „Betriebsfrieden“ gegeben hat, dann wurde der längst gebrochen vom Vorstand mit seinen Methoden, die Kollegen zu erpressen, zu bespitzeln und in die Abfindung zu drängen!

Was die Neovia-Geschäftsleitung besonders stört, ist die Unterstützung von Katrin durch Opel-Kollegen – weil Neovia doch eine „ganz eigene Belegschaft“ sei. Wenn das so wäre, wieso hat ein Opel-Manager seit Monaten bei Neovia das Sagen? Warum kamen im Sommer Opel-Meister aus Rüsselsheim zur Unterstützung? Dieses ganze Schauspiel soll nur verdecken, dass durch das gegenseitige Ausspielen von Opelanern und Neovianern am Ende wir alle verlieren sollen. Systematisch werden die Einführung einer zweiten Tarifstruktur bei Opel und weitere Einschnitte betrieben, um unseren Metall&Elektro-Tarifvertrag ganz abzuschaffen. Die Einheit der Belegschaft soll um jeden Preis verhindert werden. Aber wir arbeiten zusammen in einem Zentrallager und sind in einer IGM organisiert: also sind wir auch eine Belegschaft!Wir erleben die gleichen Methoden von PSA-Chef Tavares, gegen die zur Zeit auch unsere Kollegen in Eisenach oder Gliwice kämpfen. Mit dem Einbruch des Autoabsatzes in der Weltwirtschaftskrise und der Fusion mit FCA wird dieser Kampf noch an Härte zunehmen!

Erpressung, Arbeitshetze und eine katastrophale Arbeitssicherheit machen uns schon lange wütend – dieser Vorgang bringt das Fass zum Überlaufen. Schon am ersten Tag haben sich Dutzende Kollegen mit ihrer Unterschrift solidarisch erklärt. Diesen Weggehen wir konsequent weiter: Katrin und die Kollegen müssen eingestellt, die Verträge müssen entfristet, die Leiharbeiter übernommen werden!

Abmahnungen gegen 6 Antifaschisten im Bochumer Opel Werk

Unsere Trägerorganisation, die kämpferische Betriebsratsliste von OFFENSIVE aus dem Opel Werk in Bochum, hat ein antifaschistisches Solidaritätsvideo innerhalb des Werkes gedreht um ihren ehemaligen Bochumer Kollegen aus Eisenach, Rainer Weinman, viel Kraft gegen die Angriffe von Faschisten zu geben. Nun sind sie deswegen abgemahnt worden. Hier veröffentlichen wir einen Brief von den Bochumer Kolleg*Innen an die ganze internationale Konzernbelegschaft von Opel und PSA auf französich und in  Deutsch.

Bochum, 9. April 2019

an unsere Kolleginnen und Kollegen bei PSA und Opel in Deutschland und Europa.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir schreiben euch, weil wir den Kontakt zu euch vertiefen und euch informieren wollen über den ungeheuerlichen Vorgang, dass sechs Bochumer Opelaner von der Personalabteilung eine Abmahnung wegen antifaschistischer Solidarität mit einem Eisenacher Opel-Kollegen erhalten haben! Unsere Erfahrungen zeigen: die Kapitalisten vernetzen sich international, daher ist die internationale Solidarität für uns Arbeitern dringend notwendig und unverzichtbar! Wie Ché sagte: „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“. Solidarität ist für uns keine Phrase, wir leben sie!

Zur Vorgeschichte und zum Vorgang: Nach der Schließung unseres Werks in Bochum Ende 2014 hat unser ehemaliger Bochumer Kollege Rainer Weinmann, wie viele andere Kollegen auch, Bochum verlassen und ist in das Opel-Werk in Eisenach gewechselt. Er wurde dort hervorragend aufgenommen und hat sich gut  eingelebt. Er teilt seinerseits gerne die Erfahrungen, die er in Bochum mit der Werkschließung und dem  Kampf dagegen gemacht hatte, zumal Eisenach aktuell vor einer ähnlichen Situation steht. Im November  letzten Jahres verschandelten Faschisten das Fahrzeug unseres Kollegen Rainer mit Aufklebern. Das reihte sich ein in mehrere solcher Vorfälle in Eisenach wie Morddrohungen, Steinwürfe und Schmierereien  gegen Antifaschisten. Als wir davon erfuhren war es für uns selbstverständlich, unserem Kollegen den Rücken zu stärken und uns solidarisch zu positionieren, da wir faschistische Übergriffe in keiner Weise zulassen können! So haben wir hier in Bochum ein Video erstellt mit solidarischen Grüßen und  aufmunternden Worten und es ihm zukommen lassen. Als die Personalabteilung das Video in die Hände  bekam, hatte sie – anstatt sich der Solidarität anzuschließen – nichts Besseres zu tun, als sechs beteiligte  Kollegen abzumahnen wegen eines angeblichen Film- und Fotoverbots! Auch dieser Vorgang reiht sich ein in zahlreiche Versuche, kämpferische und fortschrittliche Kollegen im Werk zu unterdrücken. Mit solchen  Maßnahmen versucht der Vorstand von PSA/Opel, dem Kampf der gesamten Belegschaft gegen das  Ausbeutungsprogramm PACE die Spitze zu brechen.
Gegen diese Abmahnungen zogen die sechs Kollegen vor Gericht. Auch bei den Gerichtsterminen sind OFFENSIV ist Trägerorganisation des Internationalistischen Bündnisseswir solidarisch und unterstützen die Kollegen. Die Verhandlungen und Urteile werden im Mai erwartet. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr  euch mit den Kollegen solidarisch erklärt! Angesichts dessen, dass sowohl bei uns in Deutschland als auch in Frankreich faschistische Hetze erneut salonfähig gemacht werden soll, müssen wir uns positionieren,  solidarisieren und deutlich machen, dass wir Arbeiter uns das nicht gefallen lassen! Gerade wir Arbeiter und Gewerkschafter müssen die Rechtsentwicklung vieler Regierungen und eine schleichende Verbreitung des Faschismus bekämpfen und stoppen. Diesen „Beifang“ des Kapitalismus und ihn selbst erledigen wir nur, wenn wir ihn offen bekämpfen!
Es ist wichtig, dass wir uns organisieren gegen Erpressung, Leistungsdruck, Lohndumping, Ausbeutung, menschenunwürdige Bedingungen wie Leiharbeit und die Vernichtung unserer Arbeitsplätze, die genauso wichtig sind, wie eine intakte Umwelt. Das alles geht vor allem zu Lasten unserer Jugend!
Mit großen Interesse beobachten wir die französische Streikkultur und aktuell die Proteste der Gelbwesten mit Beteiligung vieler Gewerkschafter. Das zeigt uns, wie wichtig die solidarische Vernetzung über  Ländergrenzen hinweg ist. So schafft man eine große, gesellschaftsverändernde Protestbewegung, die medial und gesellschaftlich Aufmerksamkeit erregt und breit diskutiert wird.
Darauf wollen wir weiter aufbauen. Gerade weil versucht wird, uns gegeneinander auszuspielen und so immer mehr Profit aus den Belegschaften herauszuquetschen. Wir würden uns freuen, den Kontakt mit euch zu vertiefen. Hervorragend wird das auch möglich sein anlässlich der 2. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz, die im Februar 2020 in Südafrika stattfindet. Wir bereiten sie auch in Europa gemeinsam vor und organisieren so den Kontakt untereinander.

Weitere Informationen dazu unter www.automotiveworkers.org, zu unserer Arbeit unter offensivbochum.wordpress.com.

Solidarische Grüße aus Bochum
eure Kolleginnen und Kollegen von OFFENSIV
(Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit bei Opel in Bochum)
OFFENSIV ist Trägerorganisation des Internationalistischen Bündnisses